mit dem Saarbrücker Jazz-Rock Trio
22. Juli 2023, auf der Bühne des Campingplatzes Landgut Girtenmühle -zum zweiten Mal für dieses Jahr- stehen die Musiker in gewohnter Aufstellung parat. Von links nach rechts: Tom an der Gitarre, Martin am Schlagzeug und Karsten am Bass. Es ist angenehmes Wetter und die Terrasse der Girtenmühle ist gut gefüllt. Jeder Gast findet einen gemütlichen Platz, und ein Kaltgetränk vor sich wieder. Um 20:00 Uhr beginnt endlich der Auftritt. Meine beiden Favoriten „u train“ und „twinklin waters“ werden auch gespielt. Nach einer Zugabe und gebührendem Applaus ist die Band um 22:30 Uhr fertig für den Abend.
Im Anschluss an den Auftritt bietet sich mir die Gelegenheit, das Saarbrücker Trio Skylark Fusion zu interviewen. Wir begeben uns gemeinsam zu dem Zelt der Band, und vorab wird noch schnell ein Feuer angemacht. Mittlerweile ist es schon dunkel, aber immer noch warm. Das Knistern der Holzscheite und die zirpenden Grillen im Hintergrund begleiten uns durch das Gespräch.

Im folgenden Interview rede ich mit den Musikern über Erfahrungen auf der Bühne, die gemeinsamen Sessions und den Aufnahmen der Jazz-Rock-Band. Zum Schluss erklären sie mir noch ihre Ziele. Es war ein sehr aufschlussreiches, herzliches Gespräch. Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmals bei den Dreien, für die Einblicke. Weitere Infos zu Auftritten und neue Musik könnt ihr auf Facebook finden.
TW: Thomas „Tom“ Wiesel
KB: Karsten Braun
MO: Martin Orbanz
Vielen Dank erstmal, dass ihr euch noch die Zeit für mich nehmt. Zum Auftritt: Wie war er für euch? Wie habt ihr euch heute gefühlt?
TW: Wir hatten schon bessere. Wir hatten ein Stück als Premiere, das hat es wieder gut gemacht.
[Alle lachen, Feuer knistert im Hintergrund]
KB: Also für mich persönlich war es bisher der Beste, vom Flow her und wie es gelaufen ist.
MO: Ich fand den letzten, wo wir hier waren vor vier Wochen, noch besser. Aber ich habe mich wohl gefühlt, hat Spaß gemacht.
Ja, das freut mich. Es hat auch echt viel Spaß gemacht heute. Ich war vor vier Wochen auch hier, und beide haben mir gut gefallen. Aber ich kann dann vielleicht nicht die Unterschiede heraushören oder -sehen, die ihr als Trio bemerkt.
TW: Ja gut, es gibt zwei Ebenen. Erstmal hat jeder persönlich am Instrument Erfahrungen, zum Beispiel hatte ich einen kurzen Blackout gehabt, deshalb ist das für mich das Negative. Das spielt eine große Rolle, selbst wenn man das nach außen nicht merkt.
Genau, ich habe leider keine Erfahrungen damit auf der Bühne zu stehen. Ihr macht das jetzt wahrscheinlich schon einige Jahre. Seid ihr dann noch nervös, bevor ihr auf die Bühne geht oder wenn ihr auf der Bühne steht?
TW: Auf der Bühne nicht mehr.
[Alle lachen]
MO: Genau! Auf der Bühne ist dann eigentlich alles gut. Und vorher… es ist immer viel Tagesform. Wenn du schlecht schläfst oder daneben bist, körperlich nicht richtig auf der Höhe, dann machst du dir schon Gedanken, bei welchem Part Probleme aufkommen können. Aber alles im allem hält sich das in Grenzen, und auf der Bühne läuft es dann.
Wie lange spielt ihr schon auf der Bühne zusammen?
KB: In der Besetzung…
TW: … zweieinhalb Jahre. Wir hatten vorher noch einen anderen Schlagzeuger.
KB: 2020, als man wieder durfte…
TW: … ja mit ihm (beide nicken Martin zu). Mit dem vorherigen Schlagzeuger war das nochmal ein Jahr. Da hatten wir keinen richtigen Bassisten, und haben mehrere ausprobiert.
KB: Es ging los im Frühjahr 2019, ich bin im Herbst [2020] dazugekommen. Ich habe die Annonce von Tom gesehen, und habe ihn dann angeschrieben, bin vorbeikommen und dann haben wir ein bisschen rumprobiert. Ich durfte wieder kommen.
[Karsten schmunzelt]
Wie seid ihr zu Fusion gekommen?
TW: Meinst du die Band? Es ist keine Fusion, was wir spielen. Der Name hat einen ganz anderen Hintergrund.
Oh, mein Fehler!
KB: Nein, das ist generell ein Unterschied, den nicht Viele sehen.
TW: Wir haben Elemente von Fusion, aber es ist eigentlich mehr Jazz-Rock, mit Post-Rock. Der Name hat wie gesagt einen anderen Hintergrund: Feldlärchen sind Vögel, die sehr wunderbar und ungewöhnlich singen. Die Fusion ist die Verschmelzung von Feldlärchen- in dem Fall von Musikern.
Die meisten Leute denken es wäre die 1980er bis 90er Jahre Fusion-Musik. Was aber bei uns in die Richtung geht, ist älterer Fusion aus den 1970er Jahren, was man schon als Fusion bezeichnen kann. Die meisten meinen damit „modernen“ Fusion, aus den 1990ern.
KB: Für mich klingt Fusion nach Jazz-Musikern, die versuchen zu rocken. Bei uns ist das umgekehrt.
[Alle lachen]
TW: Ja, nicht ganz…
KB: …für mich als Außenstehender. Ich bin über die Band erst zu Jazz gekommen, vorher war ich 25 Jahre im Heavy-Bereich unterwegs.
TW: Ich habe eigentlich bewusst Leute gesucht, die nicht vom Jazz kommen. Ich wollte eine Art Rock-Groove Hintergrund.
Ist dann nicht auch ein bisschen der Fusion Gedanke dabei?
TW: Naja… Fusion wird aber ganz anders ausgeführt. Das Ganze ist sehr determiniert und es werden komplexe Bridges gebaut, mit Taktzahlen, die es schwierig für den Zuhörer machen….
KB. … und auch für den Musiker!
Wie war es bei dir Martin?
MO: Ich spiele Schlagzeug, seit dem ich zwölf war, und Skylark Fusion ist die erste Band, die in diese Richtung geht. Die letzte Band davor, war eine Thrash Metal Band, noch davor ging es auch schon die Richtung, aber mit variierenden Härtegraden. Ich hatte immer Bock was in die Richtung [Jazz] zu machen, von daher passte das [mit Skylark Fusion] gut.
Wie hast du das erlebt [Tom]? Du warst Gründer, vielleicht auch mit dem Gesamtbild?
TW: Ich hatte das Ziel nur eigene Stücke auf die Bühne zu bringen, weil ich viele Bands hatte und man bei den wenigsten von ihnen eigene Stücke unterbringen konnte.
Das waren dann eher Cover?
TW: … das waren Jazz-Standards oder Cover. Ich habe Jazz gemacht, Funk und Blues-Rock. Skylark Fusion ist ein Projekt, nur eigene Stücke zu bringen.
Ist es schwieriger? Geht man mit einer anderen Einstellung heran? Der kreative Prozess ist wahrscheinlich nochmal anders, oder?
KB: … darauf kann ich dir so direkt keine Antwort geben. Es ging damals mit Cover Bands los. Es waren dann Leute dabei, die eigenen Sachen gemacht haben. Da machst du einfach mit!
Heute würde ich sagen eigene Songs sind einfacher als Covern. Ich kann das machen, was ich kann und gerne hab. Ich muss nichts nachmachen, was sich irgendjemand ausgekrampft hat.
MO: Ich habe immer in Bands gespielt, die eigene Sachen gemacht haben, so dass man sagen konnte: wenn man ein bis zwei Stunden spielt können zwei Cover Songs dabei sein. Höchstens als „getting started“, dann kann man das aber auch schnell hinter sich lassen.
Wie laufen gemeinsame Sessions bei euch ab? Habt ihr Rituale?
TW: Prinzipiell lege ich Melodien und Harmonien vor. Das Arrangement wird zusammen gemacht, im Proberaum…
KB … er spielt vor, wir steigen dann ein und schauen mal.
MO: Rituale gibt’s dabei nicht.
TW: Aber Martin die verbrannten schwarzen Katzen, ist das kein Ritual [sagt Tom sarkastisch] …-er kommt ja aus dem Metal. In Norwegen haben die früher auch Kirchen verbrannt.
MO: Ja gut, die Katzen…Die Kirchen werden ja aber auch schnell alle.
[Alle lachen]
Von der Bühne zur Aufnahme, wie ist das für euch?
KB: Im Studio waren wir noch nicht.
TW: Ich denke es lohnt sich für uns zurzeit nicht CDs oder ähnliches zu produzieren. Wobei ich auch denke, dass wir eine gute Live-Band sind.
Wir haben relativ lockere Aufnahmen…
KB: …da ist ein Proberaum, Mikro und ein Mehrspurengerät. Man braucht nur SD-Karte reinstecken und auf Aufnahme drücken, danach am Rechner gemütlich mischen. Das Ergebnis, was dabei herauskommt, hört man dann bei Facebook. (Eingebetteter Link)
Die Kohle ist dabei nicht das Hauptargument für unsere Veröffentlichung.
Ich denke, dass Facebook euch eher als Mittelweg dient, oder?
KB: Damit die Leute nochmal daheim was zu hören haben, und als Werbung.
TW: Ja, das dient eher als Appetizer.
Was waren bis jetzt die schönsten Momente auf der Bühne?
MO: Auf der Bühne sind das Momente, die besonders gut gelaufen sind. Bei dem Gig spielst du den einen Songs besonders gut, so gut, dass er dir in Erinnerung bleibt…
TW: …und auch Interaktionen, die besonders gut funktioniert haben. Heute haben wir zum Beispiel ein 4/4 improvisiert, an einer Stelle beim Schlussstück, wo wir das noch nie gemacht haben. Das sind für mich schöne Momente, dass so spontane Sachen funktionieren, also das Freistellen von Sachen. Es hängt auch viel davon ab, wo man spielt, ob die Atmosphäre geil ist, wie zum Beispiel beim Hof Hochscheid.
KB: Bei mir sind das einzelne Momente…und einfach zu spielen.
Was sind noch Ziele von euch als Trio?
TM: Bessere Songs und an den Songs feilen. Was auch Spaß macht: dass Stücke immer besser werden, die werden dann auch nicht langweilig. Wir optimieren uns als Person, als Musiker und als gesamte Band.
MO: Es geht mehr darum, wie sich die Art des Zusammenspiels verbessert. Dass du immer besser wirst, die Impulse der einzelnen Leute aufzugreifen und darauf einzugehen…
TW: …besonders wenn jemand ein Blackout hat.
[Das Trio lacht]
Dann bedanke ich mich für das Interview und wünsche euch weiterhin noch viel Erfolg!
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