Umweltsünde Einweg-Vape

Weißer Dampf steht wie eine Wand in der Luft. An den Bahnsteigen und Schultoiletten dampfen wieder die Elfbars. Mit übersüßen Aromen werden die Geruchsnerven der Außenstehenden herausgefordert, aber gleichzeitg die eines jungen Publikums angesprochen. Nahe genug am Epizentrum durchlebt man zusammen mit dem Benutzer die Überstimmulanz. Ein schwankender Hormonspiegel und vaporisierte, chemische Flüssigkeiten – hier geht die Reaktionsgleichung auf.

Im Jahre 2020 stieg der Tabakkonsum sprunghaft an, entgegen dem abnehmenden Trend der letzten Jahre. Dies betrifft besonders Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch die Gesamtzahl der Raucher. Ein Argument dafür ist eine gewisse Endzeitstimmung, hervorgerufen durch einschneidende Ereignisse innerhalb weniger Jahre. Doch auch die dampfenden, bunten USB-Sticks haben zu der Entwicklung beigetragen. Momentan wird das Potential einer möglichen Einstiegsdroge unterschätzt.

Mit Hilfe der E-Zigaretten wird das sogenannte Liquid erhitzt, bis es verdampft. Eine Flüssigkeit, die zumeist aus Wasser, Propylenglykol, Glycerin, Nikotin, Geschmacks- und Inhaltsstoffen besteht. Dies ist allerdings die stark gekürzte Fassung der Inhaltsstoffe. Nikotin ist eines der bekanntesten Nervengifte und die Verkörperung einer Suchtsubstanz. Propylenglykol reizt nachweislich die Augen, Lungen und Schleimhäute. Ein Rätsel bilden die möglichen Auswirkungen der restlichen Aromastoffe – Stichwort Popcorn-Lunge. Dies beschreibt eine Vernarbung der Atemwege, durch das Verdampfen eines Butter-Aromas. Trotzdem stufen die meisten Experten aktuell das Dampfen weniger gefährlich ein, als das herkömmliche Rauchen. Hierzu fehlen allerdings entsprechende Langzeitstudien.

Die Entwicklung zum Einweg

Bereits Anfang der 2000er Jahre stiegen schon einige Raucher auf die neue E-Variante um. Zu Beginn war der Markt auf Akkubetriebene E-Zigaretten zum Wiederverwenden eingestellt. Grob eingegrenzt besteht die heutige Käuferschaft aus Mittdreißigern.
Die Konsummaschinerie hat ihre Marktlücke erkannt: ein überwiegend minderjähriges, meist fatalistisches Publikum, mit dem Verlangen eines all-fünf-minütigen Dopaminkicks. Das Einwegmodell ersetzt mehr und mehr das klobige Gerät der alten Generation. Die Bauweise und Verdampfung sind heutzutage ähnlich, aber günstiger und es braucht keine zusätzlichen Vorbereitungen. Meist sind die Vapes auf 600 Züge limitiert.

Damit treten neue Probleme auf. Knapp die Hälfte der Endverbraucher werfen ihre akkubetriebenen Einweg-Vapes unsachgerecht weg, zum Beispiel in Fußgängerzonen oder in den Hausmüll. Richtig gelesen, akkubetrieben Vapes werden nach nur einer Nutzung weggeworfen. Anders ausgedrückt: entsorgt man fünf E-Zigaretten, entspricht dies dem Verbrauch eines Handy-Akkus. Alle 3000-mal paffen, wird eine Handygröße an wertvollen Ressourcen verbraten. Das geschieht zum Spottpreis und in einer grotesken Unmenge. Als wären die Produktion und der Kauf nicht schon Sünde genug. Ignoranten verachten ihre Lebenswelt und die aller anderen. Akkus in Einweg-Vapes sind die Perversion einer Umweltsünde.

Eine vielversprechende Lösung gibt es nicht. Aktuell wurde, anstelle der normalen Mehrwertsteuer, die Tabaksteuer auf Liquids erhoben. Da dies allerdings nicht ausreicht braucht es neue Ansätze. In Zukunft wäre in sattes Pfand auf Einweg-E-Zigaretten das Mindeste, besser wäre ein Verbot aller Einweg-Vapes.

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